Rauhnacht

Streng genommen sind Rauhnächte diejenigen Winternächte, in denen in früheren Zeiten Räucherungen vorgenommen wurden. Man bezeichnet mittlerweile damit aber auch die zwölf Nächte zwischen dem 24. Dezember und dem Dreikönigstag. Dieser Zeitraum ist eine Übergangszeit - daher auch die Wortschöpfung „zwischen den Jahren" - in der nach alten Überlieferungen allerlei unheilvolle Geister, Hexen und Kobolde ihr Unwesen treiben und die Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Um diese „wilde Jagd" zu besänftigen und Böses abzuwenden, mußte man die unterschiedlichsten Dinge vermeiden, bediente sich der verschiedensten Rituale und versuchte vor allem, mit viel Lärm, diese bösen Kreaturen zu vertreiben. Hieraus hat sich ein in Bayern weit verbreitetes Brauchtum entwickelt. Hexen, Schrazln und Perchten in furchteinflößenden Masken ziehen in vielen Orten in dieser Zeit durch Straßen und Gassen – allerdings mehr zur Gaudi der zahlreichen Zuschauer, die sich vor dem Ruf „heit’ is Rauhnacht" nicht mehr fürchten, sondern diesen Brauch als Aufforderung zur Teilnahme an einem schaurig-schönen Winterabend verstehen. Traditionell feiert man in Zwiesel die Rauhnacht auf dem Gelände des Arber-Ferienparks am 29. Dezember mit einem bunten Spektakel - in diesem Jahr mit den Linzer Perchten und der Rockband "Straight".

Rauhnachtsfeuer 2011



Wolfauslassen

Auch dieser Brauch wird im Zwieseler Winkel gepflegt – Hochburg ist dabei der Nachbarort Rinchnach, wo am 9. und 10. November hunderte von Wolfauslassern ein unbeschreibliches und einzigartiges Spektakel bieten. Seinen Ursprung hat das Wolfauslassen von der Tätigkeit der Hirten, die im Frühjahr mit ihrem auf die Waldweiden zogen. Die Kühe trugen Glocken um den Hals, um die Bären und Wölfe durch das Gebimmel von der Weide fernzuhalten. Von Zeit zu Zeit schnalzte der Hirte mit seiner „Goaßl" (Viehpeitsche), um Raubtiere abzuschrecken. Beim Viehabtrieb im Herbst haben Bauern und Knechte selbst die Glocken geläutet, um ihrer Freude über die Rückkehr des Viehs zum Ausdruck zu bringen.

Dieser Brauch lebt bis heute fort. In Rinchnach kommen im November zahlreiche „Wölfe" (Gruppen von Wolfsauslassern) aus den Nachbarorten zusammen. Angeführt wird jeder Wolf von einem Hirten, der mit seinem Hirtenstab den Takt angibt, nach dem die Wolfauslasser ihre (bis zu 40 kg) schweren Glocken läuten. Es entsteht ein infernalischer Lärm, der im weiten Umkreis zu hören ist. Dann zieht man von Tür zu Tür im Ort und sammelt Geldspenden für Speis und Trank ein, um dann in die Wirtshäuser einzukehren, wo bis in die frühen Morgenstunden die Glocken läuten. Am Abend vor Martini ist dann das eigentliche, große Wolfauslasser-Treffen mitten im Ort. Ein absolut sehenswertes Ereignis, das Gäste aus nah und fern nach Rinchnach lockt. Das sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen, wenn hunderte von Glocken bis in den frühen Morgen den ganzen Ort quasi zum Beben bringen!

Wolfauslasser-Nachwuchs